Warum gutes Leder nicht Viel braucht, sondern das Richtige
Ein Werkstatt-Ratgeber aus über 30 Jahren Erfahrung in der Lederbranche
Gründe für diesen Beitrag
Dieser Beitrag zeigt:
- welche Fehler am häufigsten auftreten
- warum sie Leder schaden
- und wie sie sich dauerhaft vermeiden lassen

Fehler 1: Leder „zu gut“ pflegen
Was häufig passiert ist dass Leder regelmäßig in zu kurzen Abständen entweder sehr stark eingefettet, regelrecht mit Öl getränkt oder zu intensiv mit universellen Pflegemitteln behandelt wird.
Ganz nach der Annahme: Mehr hilft auch mehr - Viel Pflege = lange Haltbarkeit
Warum das fachlich falsch ist
Leder ist ein faserbasierter Naturwerkstoff, ein Naturmaterial das in Bewegung ist und atmet. Zu viel Fette oder Öle verstopft die Poren und hindert das Material an der Atmung und natürlichen Bewegung. Es macht die Faserstruktur viel zu weich was wiederum auf Kosten der mechanischen Stabilität geht. Das Resultat ist ein vorzeitig alterndes und beschädigtes Leder, diese Schädigungen können alle Ebenen des Leders beeinträchtigen.
In der Praxis beobachten wir daraus resultierend typische Schäden wie speckig gewordene und glänzende Oberflächen. Es tritt ziemlich schnell eine verminderte Formstabilität ein die auch erkennbar ist. Und weiterhin entstehen hieraus mittel- bis langfristig hässliche Risse und Brüche.
Bitte beachten: 👉 Hochwertiges Leder benötigt weniger, nicht mehr Pflege.
Fehler 2: Falsche Reinigungsmittel verwenden

Häufig liegt die Ursache in Produkten wie Haushaltsreiniger, Alkoholhaltige Reinigungsmittel, Feuchttücher oder sogar aggressive Lederreiniger. Derartige Produkte enthalten auf Leder bis in die Tiefe aggressiv wirkende Tenside, Lösungsmittel und auch Alkohol.
Eine falsche Pflege mit derartigen Produkten greift sowohl die Farbpigmente als auch die Zurichtung an und können durch Ihre Aggressivität auch die natürlichen Fette und Strukturen des Leders selbst beschädigen.
Werkstattbeobachtung: Schäden durch Reinigungsmittel sind meist irreversibel.
Fehler 3: Leder vor Feuchtigkeit „schützen wollen“
Leider wird oft dem Denkfehler angehangen dass Feuchtigkeit für Leder prinzipiell schlecht ist und es davor einen effektiven Schutz benötigt. Deshalb wird leider sehr oft imprägniert, versiegelt und wasserabweisend beschichtet. Hierzu finden sich mittlerweile eine große Anzahl an regulären wie auch Nanoprodukten auf dem Markt.
Hochwertiges Leder ist ein atmendes und arbeitendes Naturmaterial, die genannten Produkte greifen stark in diese Eigenschaft ein. Durch die oftmals sehr kleine Teilchengröße gelangen diese Bestandteile bis in die tiefsten Schichten des Leders hinein.
Starke Versiegelungen verhindern den notwendigen Feuchtigkeitsaustausch und unterbinden somit die natürliche "Atmung" des Leders. Darüber hinaus wird eine ggf. vorhandene Restfeuchte im Leder selbst eingeschlossen, es kann nicht mehr abtransportiert werden und startet durch die Unterbrechung der natürlichen Prozesse einen Zersetzungsprozess im Inneren des Leders. Daraus resultiert ein stark beschleunigter Materialabbau mit einem am Ende stark beeinträchtigtem oder gar zerstörten Leder.
👉 Leder darf Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben.
Fehler 5: Leder dauerhaft falsch lagern

Leder sollte ordnungsgemäß gelagert werden und man sollte die folgenden Lagerfehler möglichst vermeiden:
- luftdichte Boxen
- Plastikverpackungen
- direkte Sonneneinstrahlung und UV Exposition
- zu hohe Luftfeuchtigkeit
Warum dies problematisch ist, zeigt ein Blick auf den materialtechnischen Hintergrund des Leders. Leder reagiert als atmendes Material auf Temperatur mit Zusammenziehen oder Ausdehnung, auf Luftfeuchte mit einer Übersättigung durch Feuchtigkeit und auf Licht durch Verhärtung.
Eine falsche Lagerung kann also demnach mit hoher Wahrscheinlichkeit durch eine Feuchtigkeitsübersättigung zu Schimmel führen. Eine zu hohe Temperatur und Lichtexposition führen zu Feuchtigkeitsentzug und spröden Oberflächen, das Leder verhärtet.
Unser Lagertipp:
Leder ist immer möglichst luftig, bei normaler Raumfeuchtigkeit und regulärem Raumklima zu lagern. Langfristige Extreme stören das Leder nicht nur, sondern können dazu führen dass es unbrauchbar wird.
Fehler 6: Leder als „pflegefrei“ betrachten
Dies führt uns nun zum abschliessenden Punkt, Leder ist selbstverständlich nicht pflegefrei. Gar keine Pflege führt als gegenteiliges Extrem der obigen Punkte ebenfalls in ein dem Leder nicht zuträglichen Extrem. Da Leder ein natürliches und atmendes Material ist gehen mit der Zeit natürlich vorhandene Feuchtigkeit sowie Fette verloren.
Als Resultat daraus wird das Leder auch wieder spröde und verliert an Elastizität mit einem im Endeffekt nicht optimalen Ansicht.
👉 Leder braucht gezielte, seltene, passende Pflege – keinen Aktionismus.
Wie sieht die optimale Lederpflege nun aus?
Eine optimale Lederpflege ist immer individuell zu sehen und hängt von den individuell vorliegenden Umständen ab. Diese Unterscheiden sich oft stark, dennoch lassen sich einige Grundregeln für eine optimale Lederpflege ableiten.
Wichtig ist auf Qualität anstatt Quantität zu achten, grundlegend ist weniger mehr. Ein Atmen und sich "entwickeln" des Leders ist als Qualitätsmerkmal und natürliche Eigenschaft zu akzeptieren. Auf eine normale Nutzung ist zu achten, es sollte keine exzessive wie materialermüdende Nutzung erfolgen. Mit schonenden und milden Lederseifenprodukten, wasserbasierter Lederpflege oder reiner Lederbalsam z.B. auf Bienwachsbasis - nur um einige Beispiele zu nennen - lässt sich Leder gut wie effektiv Pflegen. Derartige Produkte sind frei von Chemie, Silikon, Chemie sowie Alkohol und haben bei schonender Anwendung pflegende und lebensverlängernde Wirkung.
Fazit
Die meisten Lederschäden sind in der Tat vermeidbar und nach 30 Jahren zeigt sich immer wieder: Nicht das Leder ist normal zu empfindlich wenn es hochwertig ist, vielmehr ist der Umgang damit oft falsch.
Wer Leder ersteht verlängert die Lebensdauer erheblich, erhält den Charakter anstatt ihn zu zerstören und vermeidet irreversible Schäden.
Leder ist kein Dekorationsmaterial.
Es ist ein Werkstoff, der mit Respekt schonend behandelt werden will.
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